esende
Home » Service » Tipps und Tricks » Warum sogar gute Antennen heutzutage gute Koaxkabel brauchen … Update 2019

Warum sogar gute Antennen heutzutage gute Koaxkabel brauchen … Update 2019

«Nix mehr los auf den Bändern!»

Wirklich?

Viele Amateurfunker und Radiohörer sagen mir immer wieder, dass auf den Bändern nichts mehr los sei. Dazu kommen dann noch Nachrichten, dass Stationen abgeschaltet werden und der Hörer denkt sich: «OK, diese Station ist nun auch weg … schade», geht der Sache dann gar nicht weiter nach und widmet sich im schlimmsten Fall anderen Hobbies.

Die betroffenen OMs bemerken dabei nicht, dass gar nicht so viel weniger Aktivität auf den Bändern herrscht, sondern der lokale Grundrauschpegel einfach enorm zugenommen hat, wodurch viele Stationen  überdeckt werden und dadurch nicht mehr zu hören sind.

Rauschflur überdeckt Signal

Das bedeutet, diese Stationen sind vom gestiegenen Grundrauschpegel einfach «verschluckt» worden und liegen damit jetzt unterhalb des lokalen Rauschflurs.

Wie kommt es dazu?

In den letzten 10 Jahren haben die Störungen auf den Bändern langsam und schleichend immer weiter zugenommen. Es gibt immer mehr Schaltnetzteile, Photovoltaikanlagen und andere elektrische Geräte zuhause, die oft schlecht oder gar nicht entstört sind. Im Idealfall versucht man die Störer ausfindig zu machen oder z.B. die entsprechenden Geräte ggf.  durch bewährte Trafonetzteile zu ersetzen. Das wiederum wird einem jedoch durch gesetzliche Hürden immer weiter erschwert, da Trafonetzteile heute als «Stromverschwender» deklariert sind und nicht mehr produziert werden dürfen.

Dazu kommt dann auch noch PowerLAN, auch als Internet-per-Steckdose (PLC) bekannt. Viele wissen gar nicht, dass sie damit schlimme Störungen verursachen und man das nicht einmal selbst verwenden muss, um gestört zu werden. Es reicht bereits ein Nachbar in der Nähe, der einem damit den Empfang deftig versalzen kann. Hier wäre eine gute Nachbarschaft mehr als hilfreich, denn in der Regel hat der Nachbar keinerlei Verständnis für unser Hobby und sieht gar nicht ein, warum er etwas ändern soll. Oder wie in meinem Fall, kann die benachbarte Apotheke betriebstechnisch gar nichts ändern, da LED-Banner, PowerLAN etc. permanent laufen müssen.

PLC AFU Band 7 MHz

Auf dem Bild sieht man deutlich die Störungen, die PLC verursacht (durchgehend bei etwa -83dB) und wie sorgfältig das 40 Meter AFU-Band dabei ausgeschnitten wird. In einer solchen Umgebung bleiben natürlich viele Stationen auf der Strecke, die man sonst klar hören würde.

Bei meinem QTH sieht die Situation aktuell so aus:Umgebung bei Bonito

Mit E-Feld Antennen konnte ich kaum noch etwas empfangen, also habe ich auf magnetische Antennen (H-Feld) MegaLoop FX gesetzt. Das ist im Grunde die deutlich bessere Alternative, denn einmal abgesehen von den besseren Pegeln, sind magnetische Antennen deutlich unempfindlicher gegen elektrostatische Störungen als mono-pol E-Feld Antennen. Das habe ich in diesem Artikel aufgezeigt. Sie sind aber auch die teurere Wahl.

Nur E-Feld Antennen, die auf die elektrostatischen Störungen reagierten, konnte ich weiterhin nicht mehr im Büro testen, sondern musste dafür immer in die freie Natur hinaus. Besonders die alte Mini-Whip und die diversen Klone sind davon betroffen, da diese Antennen auch über den Koaxaußenleiter einen nicht unerheblichen Anteil der aufgenommenen Empfangsenergie beziehen und somit bei den heutigen Bedingungen eigentlich nicht mehr zeitgemäß sind. Das war auch einer der Gründe, warum wir der Boni-Whip seinerzeit einen eigenen Strahler verpasst haben.

megaloop ML052 Loop
MegaLoop ML052 als Delta-Loop vertikal und ML200 als Raute horizontal aufgebaut. Man sieht, wie dicht man an unser Grundstück heran gebaut hat.

Also geht man hinaus und sucht sich ein «stilles Plätzchen» für seine Antenne und erwartet jetzt wieder einen stark verbesserten Empfang. Aber es ändert sich kaum etwas.
Warum? Das Koaxkabel ist durch die ganzen Störungsfelder verlegt und hier liegt das Hauptproblem. Denn die meisten OMs, wie auch ich bis vor kurzem, verwenden noch einfaches RG58 Koaxkabel mit zu geringer Schirmung.

RG58 war bis dato ausreichend gut, was Dämpfung und Abschirmung betrifft. Ein gutes Koaxkabel, bis in die 2000er hinein. Aber heutzutage einfach nicht mehr passend. Ein gutes RG58 Kabel hat eine Kabelschirmung von maximal 40dB. Da die Störungen SNR-mässig weit darüber sind, schlagen sie natürlich voll durch und verschlechtern somit den Empfang. Diese Störungen müssen nicht mal Prasseln, Knattern oder Knackgeräusche sein. Es kann auch einfach ein erhöhter Rauschflur sein. In manchen Umgebungen ist ein Grundrauschflur von -80dBm bereits «normal» und es kommen nur noch sehr starke Signale durch.

Was kann man tun?

Mit dem Einsatz hochwertiger Koaxkabel lässt sich störendes Rauschen stark minimieren. Anfangs war ich sehr skeptisch und auch ich habe das ignoriert, aber ein Zufall brachte mich auf den richtigen Weg. Bei den ersten Tests der MegaLoop ML052 hatte ich noch RG58 im Einsatz und der UKW-Sender SAW kam hier nach wie vor „ungebremst“ hinein, obwohl in dieser Antenne ja ein FM-Bandstoppfilter integriert ist. Ich schickte das Testmodell wieder zurück. Beim Test im Labor funktionierte der Bandstoppfilter aber perfekt, nur eben bei mir nicht. Ich konnte weiterhin UKW-Sendungen empfangen. Durch einen Zufall bemerkte ich, dass das RG58 Koaxkabel von sich aus bereits den Sender SAW empfing, auch wenn gar keine Antenne angeschlossen war. Daraufhin habe ich 40 Meter H155 Koaxkabel, quer durch das Gebäude gelegt und siehe da, kein UKW-Empfang mehr vorhanden.

Den Unterschied im Aufbau der verschiedenen Kabelsorten kann man bereits mit den bloßen Augen sehen:

RG58 im Detail
RG58 im Detail
H155 im Detail
H155 im Detail
hyperflex 5 by M&P
Hyperflex 5 in detail

Das äußere Kupfergeflecht des H155 ist gegenüber dem RG58 viel engmaschiger, mit viel mehr Drähten verwoben und bedeckt 80% der Fläche. Es liegt auf einer Aluminium-Doppel-Verbund-Folie (Aluminium – PET – Aluminium). Diese PET-Beschichtung zwischen den Alu-Folien verhindert Beschädigungen bei engeren Biegeradien. Mit diesen Attributen erreicht das H155 Kabel eine Kabelschirmung von 95dB! Also ein vielfaches gegenüber RG58. Noch besser macht es das Hyperflex 5 von Messi & Paoloni. Dort habe ich ein Schirmgeflecht komplett aus Kupfer, dass dazu noch engmaschiger ist und bei dem auch die Folie aus kunststoffbeschichtetem Kupfer besteht. Daraus resultieren dann ganze 105dB Schirmung.

Ich haben dann im Herbst 2016 die RG58 Kabel gegen das doppelt abgeschirmte H-155 Koaxialkabel von Belden ausgetauscht. Ich habe gleich 3 Kabel durch schwarzes Panzerrohr bis zur Antenne gelegt. Das Panzerrohr schützt die Kabel vor UV und Feuchtigkeit. Der Unterschied ist deutlich hörbar und auch auf dem Spektrum sichtbar. Ich habe nun wesentlich weniger Rauschen, Knacken etc. und sogar deutlich weniger Störungen im Mittelwellenbereich. Ich kann seit dem sogar wieder Grimmeton auf 17kHz empfangen!

Spektrum mit RG58 Koaxialkabel
Spektrum mit RG58 Koaxialkabel
Spektrum mit H155 Koaxialkabel
Spektrum mit H155 Koaxialkabel

Ein weiterer schöner Nebeneffekt des H155 Koaxkabel ist es, dass es dazu auch noch viel weniger Dämpfung hat als RG58. Sicherlich hätte ich auch deutlich dickeres Kabel nehmen können und somit eine noch bessere Schirmung etc. gehabt. Aber ich kann bei uns keine daumendicke Kabel verlegen und wollte die alten Löcher weiter nutzen. Das H155 von Belden und das Hyperflex 5 von Messi&Paoloni ist nur 5,4mm stark, also nur ein wenig dicker als RG58 und somit immer noch sehr flexibel.

Verzichten Sie auf dünnen China-Koaxkabel

Verwenden Sie auch auf den letzten Metern keine dünnen China-Kabel! Diese haben zwar einen geringen Durchmesser und sind somit sehr flexibel, aber leider haben sie meist nur eine sehr geringe Schirmdämpfung von weniger als 40dB. Gerade auf den letzten Metern sollte man die höchste Schirmung haben! Warum? Im Haus wimmelt es nur so von potentiellen Störern. Der PC, das Notebook und der Monitor sind meist in direkter Nähe zum Empfänger und können unschöne Einflüsse haben. Wir bieten Ihnen deshalb auch Adapterkabel, in den unterschiedlichsten längen und Ausführungen aus Hyperflex 5 crystal an.

Adapterkabel SMA-Stecker auf PL-Buchse aus Hyperflex 5 Crystal

Stecker und Verbinder

Nicht nur das Koaxabel, auch die verwendeten Stecker sind sehr wichtig. Früher nahm man noch PL-Stecker, die man einfach auf den Schirm drehte und in der Mitte anlötete. Nach ein paar Jahren wurden die Kontakte allerdings immer schlechter und man musste den Stecker erneuern. Das Problem ist, dass die Stecker durch die Bewegung langsam aber sich die dräthe des Außenschirm zerschneiden und der Massekontakt immer schlechter wird.

Erdung

Bei langen Kabellängen kann die Erdung des Kabels empfehlenswert sein. Wir haben die zum H155 passende Erdungsschelle auch im Angebot. Die Montage der Schelle ist nicht wirklich schwierig und mit wenig Aufwand getan.

Erdungsschelle für H155

 

Wenn es möglich ist, sollte man die Koaxkabel nicht offen verlegen, sondern in der Erde vergraben.  Dann hat man einen sehr guten und natürlichen Mantelstromfilter. Auch ist es ratsam einen Metallmast zu verwenden und das Kabel entweder engumschlungen direkt am oder durch den Mast zu führen.

Fazit

Allein ein guter Antennenstandort genügt heute nicht mehr, das «saubere» Signal muss  auch am Empfänger ungestört ankommen. Und dazu braucht man ein gutes Koaxkabel mit möglichst hoher Kabelschirmung.

H155 Koaxkabel auf Rolle

Da wir mittlerweile vom H155 und die Koaxkabeln von Messi & Paoloni überzeugt sind, bieten wir Ihnen diese Koaxkabel als Meterware oder fertig konfektioniert auch in unserem Onlineshop an. Auch Stecker oder Sonderwünsche können wir liefern. Sollten Sie Fragen haben, helfen wir Ihnen gerne per E-Mail oder telefonisch unter 05052 6052.

Keep listening
Dennis Walter

Dies ist die überarbeitete Version des Artikels aus 2016. 

Compruebe también

Ein 144 MHz (2 Meter) UKW-Vorverstärker mit innovativem Design. JGHiTechnology

Ultra Low Noise Mastvorverstärker mit VOX

Mit den neuen Ultra Low Noise Mastvorverstärker von JG Hi-Technologie, konnten wir unsere Produktpalette erweitern. …